Der 5. Streich des Néstor Pitana

Ein Mann, ein Pfiff, eine Entscheidung – keine Diskussion. So lässt sich der bisherige WM-Verlauf für den 43 jährigen Argentinier Néstor Pitana kurz zusammenfassen.
Der 1,93 Meter große, durchtrainierte Sportlehrer aus Corpus glänzte bei seinen bisherigen vier Auftritten mit korrekter Entscheidungsfindung, imposanter Körpersprache und autoritärem Auftreten. Außerdem fand Pitana stets die richtige Mischung aus Ermahnung, Erklärung und Beschwichtigung.
Folgerichtig wurde er für seine tollen Leistungen bei dieser WM Endrunde für das heutige Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien nominiert.
Für Pitana ginge damit ein Traum in Erfüllung, er fühle „Glück, Stolz und Verantwortung“, wie dieser der FIFA im Exklusiv-Interview kurz nach Bekanntgabe der Nominierung berichtete. Zudem sei er „nur das Gesicht des Erfolg“, dank gilt vor allem auch seinen „Freunden, Kollegen und Wegbegleitern“.
Unterstützt wird der Argentinier heute an den Linien von seinen Landsleuten Hernan Maidana und Juan Belatti, sowie dem vierten Offiziellen aus den Niederlanden Björn Kuipers.

https://youtu.be/i_ZmB73GGII (Dieser Link führt zum offiziellen Interview der FIFA mit Néstor Pitana)

„To assist, not to insist“ – Zwei Salzburger zur Assistenten-Fortbildung beim BFV

Von 27. bis 29. April durften Sen Polat und Philipp Maier an einem vom Bayerischen Fußballverband organisierten „Spezial Schiedsrichterassitentenkurs“ teilnehmen. Ziel dieser Tagung war es, spezialisierte Assistenten für die Regionalliga Bayern, Deutschlands vierthöchste Spielklasse, zu schulen und zu fördern.

Nach der Ankunft in der dafür top ausgestatteten Anlage in der Sportschule Oberhaching, die neben zahlreichen Fußballplätzen, Hallen und Laufbahnen auch ein Schwimmbad unterhält, wurden die beiden Salzburger Schiedsrichter freundlichst aufgenommen und erhielten in den drei Tagen viel neuen Input: Neben obligatorischem Regel-, Konformitäts-, und Lauftest wurde auch ein Regionalligaspiel beobachtet und anschließend mit dem Schiedsrichterteam rund um den Zweitliga Schiedsrichter Florian Badstübner analysiert. Ebenso wurde die von der FIFA geforderte Fahnenhaltung und Technik vertieft und ausführlich auf das Headset, welches inzwischen in der Regionalliga Bayern Standard ist, eingegangen.

Highlight war aber sicherlich ein Referat von FIFA Schiedsrichterassistent Eduard Beitinger, welcher im Team von Deniz Aytekin ist und erst am Tag zuvor im hochbrisanten Spiel Freiburg gegen Köln assistierte, in dem er viel vom „UEFA CORE Programm“ weitervermittelte und dadurch die sogenannten „Spezial Schiedsrichterassistenten“ auf den absolut neuesten Stand in allen für Assistenten wichtigen Bereichen brachte.

Ein Wochenende wovon auch die beiden Salzburger Schiedsrichter höchst profitierten.

Es ist des Lernens kein Ende

Nyon – Hauptsitz des europäischen Fußballverbands. Von hier aus steuert die UEFA Schiedsrichterkommission die Aus- und Weiterbildung der europäischen Eliteschiedsrichter. Da allerdings die amtierenden Spitzenschiedsrichter nicht jünger werden, ist die UEFA nach wie vor bemüht neue, junge, talentierte Schiedsrichter für den Spitzenbereich des europäischen und des weltweiten Fußballs zu gewinnen.

Aus diesem Grund veranstaltet die UEFA derzeit eine Programm zur Ausbildung und Heranziehung „neuer Collinas und Rizzolis“, das sogenannte „UEFA Core Programm“. Bei diesem anstrengenden Programm werden die Schiedsrichterteams aus ganz Europa auf Herz und Nieren geprüft und ihre schiedsrichtertechnischen Fertigkeiten entscheidend geschärft und geschult.

Mitten im Geschehen befindet sich derweilen Salzburgs Bundesligaschiedsrichter Sebastian Gishamer. Der 29-jährige Seekirchner leitet im Rahmen dieses Programmes zwei Spiele in einer schweizer oder französischen Amateurliga, bei welchem ihm ein Coach der UEFA Schiedsrichterkommission zur Seite steht und Gishamers Leistung penibelst genau aufarbeitet.

„Ich freue mich schon sehr auf dieses Programm. Wir werden gleich am Anfang den Yo-Yo-Test absolvieren. Unsere Regelauslegung wird durch intensive Schulungen sicher einheitlicher und die Coaches werden mir unglaublich weiterhelfen können. Ich sehe dem ganzen mit großer Vorfreude entgegen und freue mich diese Chance erhalten zu haben“, sagte das Salzburger Ausnahmetalent kurz vor Beginn des Programms, bei welchem er von den beiden Assistenten Markus Waldl (OÖ) und Michael Nemetz (NÖ) unterstützt wird.

Einer der dieses Programm bereits als Sprungbrett für seine internationale Karriere genutzt hat, ist das zweite große Aushängeschild des Salzburger Fußballverbandes Christopher Jäger, welcher seit heuer das FIFA Abzeichen auf der Brust trägt. Auch dieser bestätigte: „Das Core Programm war eine unglaublich schöne und lehrreiche Erfahrung, die mir sehr weitergeholfen hat“.

Das CORE Programm – ein Wegbereiter für viele große Erfolge und eine Möglichkeit sich der UEFA zu präsentieren um neue Sterne am europäischen Schiedsrichterhimmel aufsteigen zu lassen.

Expect the Unexpect

Den 7. Februar 2018 wird Sebastian Gishamer wohl nicht so schnell vergessen, denn: beim UEFA Youth League Achtelfinale zwischen dem FC Salzburg und Sporting Lissabon gab der 29-jährige sein Debüt als internationaler Schiedsrichter. Welchen Umständen er diesen Auftritt verdankt und wie es ihm dabei ergangen ist haben wir im exklusiven Gespräch mit Salzburgs Bundesliga-Referee geklärt.

 

Sebastian, wie bist du zu diesem wohl unverhofften Einsatz in der UEFA Youth League gekommen?

SEBASTIAN GISHAMER: Ursprünglich war ich bei diesem Spiel als 4. Offizieller besetzt. Dieser ist unteranderem dafür zuständig, bei etwaigen Verletzungen der amtierenden Schiedsrichter deren Position einzunehmen. So war es in meinem konkreten Fall! Nach einem Eckstoß in Minute 54 spürte der Schiedsrichter plötzlich einen Schmerz im Oberschenkel. Ich fragte nur noch durch das Headset: „Do you need a doctor?“, doch dann ging alles sehr schnell. Er lief zu mir und machte mir klar, dass ich weiterpfeifen muss. Ich bin in die Kabine um mich entsprechend vorzubereiten.

 

Warst du überrascht, beziehungsweise als du dann am Spielfeld gestanden bist, warst du nervös?

            Natürlich ist man anfangs ein bisschen überrascht. Das ist ja keine alltägliche Situation. Das habe ich noch nie selbst erlebt. Dennoch ist ja der 4. Offizielle unteranderem dafür da. Nervös war ich nicht – angespannt trifft es eher.

 

Hast du lange gebraucht um in das Spiel hineinzufinden? Es waren ja immerhin schon 54 Minuten absolviert.

            Eine Eingewöhnungsphase gibt es nicht! Die Mannschaften sind ja schon voll in ihrem Element und wollen sofort weiterspielen. Für mich war die erste Entscheidung die Wichtigste – damit zeige ich, dass ich da bin. Ich glaube aber auch, dass die Spieler die Situation sehr gut angenommen haben und sich nach und nach mit mir akklimatisiert haben.

 

Du hast ja mit dem FC Salzburg einen österreichischen Vertreter als Österreicher gepfiffen. War das für dich eine schwierige Situation? Wie haben die Portugiesen darauf reagiert?

            Nein, das war für mich überhaupt kein Problem. Man konzentriert sich sowieso nur auf sich selbst und will die bestmögliche Leistung abrufen um das Spiel gut fertig zu leiten. Als Schiedsrichter ist es oberste Priorität Gerechtigkeit walten zu lassen! Auch von Seiten der Portugiesen war das nie ein Problem. Sie haben gesehen, dass ich fair pfeife und das haben sie genauso honoriert wie der FC Salzburg.

 

Nach dem Spiel gibt es ja immer einen Beobachter, welcher die Leistung der Unparteiischen aufarbeitet. Was sagte der zu deiner Performance?

            Der war sehr zufrieden. Ich hatte eine knifflige Szene im Strafraum (strafbares Handspiel ja oder nein) wo es plötzlich „Elfmeteralarm“ gab. Wie sich nach Ansicht der TV Bilder ergab, habe ich richtigerweise weiterlaufen lassen. Im Großen und Ganzen waren alle recht zufrieden.

 

Du zählst ja in der Schiedsrichterzunft zu den großen Talenten. Du hast mit 20 Jahren in der dritthöchsten Liga Spiele geleitet. Hat dir dein Talent und deine jahrelange Erfahrung bei der Bewältigung dieser Aufgabe geholfen oder ist das nochmal etwas anderes?

Wie überall im Leben ist jahrelange Erfahrung in so einem Fall natürlich Gold wert. Allerdings ist das natürlich dann wieder eine neue Situation, die ich in dieser Form auch erst zum ersten Mal erlebt habe. Es gibt bei uns Schiedsrichter so einen Spruch, der lautet: „Erwarte das Unerwartete“. Der passt wie die Faust auf´s Auge zu dieser Situation. Man muss auf alles vorbereitet sein!

 

Wie geht es jetzt mit einer möglichen internationalen Karriere weiter?

            (lacht…) Ich bin vom ÖFB nominiert worden Mitte März beim UEFA-CORE Programm teilzunehmen. Das ist ein Programm zur Schulung und Weiterbildung möglicher nächster internationaler Schiedsrichter und ist eine große Chance für mich und mein Team (Anm. Red. Assistenten Michael Nemetz/NÖ u. Markus Waldl/OÖ). Dabei werden die nominierten acht Referee-Teams aus Europa speziell im regeltechnischen und kommunikativen Bereich geschult. Ich freue mich schon sehr darauf!

 

Abschließend noch: Ist es wahr, dass sich Marc Batta, ein Mitglied der UEFA Schiedsrichterkommission persönlich bei dir für deine Leistung bedankt hat?

            Ja – das hat mich sehr gefreut! Er hat mir am nächsten Tag eine E-Mail geschrieben, wo er sich eben für meinen Einsatz bedankt hat. Eine solche Anerkennung von oberster Stelle des europäischen Fußballs ist schon eine große Ehre und bestätigt auch den Weg, den man selbst eingeschlagen hat!