Den 7. Februar 2018 wird Sebastian Gishamer wohl nicht so schnell vergessen, denn: beim UEFA Youth League Achtelfinale zwischen dem FC Salzburg und Sporting Lissabon gab der 29-jährige sein Debüt als internationaler Schiedsrichter. Welchen Umständen er diesen Auftritt verdankt und wie es ihm dabei ergangen ist haben wir im exklusiven Gespräch mit Salzburgs Bundesliga-Referee geklärt.

 

Sebastian, wie bist du zu diesem wohl unverhofften Einsatz in der UEFA Youth League gekommen?

SEBASTIAN GISHAMER: Ursprünglich war ich bei diesem Spiel als 4. Offizieller besetzt. Dieser ist unteranderem dafür zuständig, bei etwaigen Verletzungen der amtierenden Schiedsrichter deren Position einzunehmen. So war es in meinem konkreten Fall! Nach einem Eckstoß in Minute 54 spürte der Schiedsrichter plötzlich einen Schmerz im Oberschenkel. Ich fragte nur noch durch das Headset: „Do you need a doctor?“, doch dann ging alles sehr schnell. Er lief zu mir und machte mir klar, dass ich weiterpfeifen muss. Ich bin in die Kabine um mich entsprechend vorzubereiten.

 

Warst du überrascht, beziehungsweise als du dann am Spielfeld gestanden bist, warst du nervös?

            Natürlich ist man anfangs ein bisschen überrascht. Das ist ja keine alltägliche Situation. Das habe ich noch nie selbst erlebt. Dennoch ist ja der 4. Offizielle unteranderem dafür da. Nervös war ich nicht – angespannt trifft es eher.

 

Hast du lange gebraucht um in das Spiel hineinzufinden? Es waren ja immerhin schon 54 Minuten absolviert.

            Eine Eingewöhnungsphase gibt es nicht! Die Mannschaften sind ja schon voll in ihrem Element und wollen sofort weiterspielen. Für mich war die erste Entscheidung die Wichtigste – damit zeige ich, dass ich da bin. Ich glaube aber auch, dass die Spieler die Situation sehr gut angenommen haben und sich nach und nach mit mir akklimatisiert haben.

 

Du hast ja mit dem FC Salzburg einen österreichischen Vertreter als Österreicher gepfiffen. War das für dich eine schwierige Situation? Wie haben die Portugiesen darauf reagiert?

            Nein, das war für mich überhaupt kein Problem. Man konzentriert sich sowieso nur auf sich selbst und will die bestmögliche Leistung abrufen um das Spiel gut fertig zu leiten. Als Schiedsrichter ist es oberste Priorität Gerechtigkeit walten zu lassen! Auch von Seiten der Portugiesen war das nie ein Problem. Sie haben gesehen, dass ich fair pfeife und das haben sie genauso honoriert wie der FC Salzburg.

 

Nach dem Spiel gibt es ja immer einen Beobachter, welcher die Leistung der Unparteiischen aufarbeitet. Was sagte der zu deiner Performance?

            Der war sehr zufrieden. Ich hatte eine knifflige Szene im Strafraum (strafbares Handspiel ja oder nein) wo es plötzlich „Elfmeteralarm“ gab. Wie sich nach Ansicht der TV Bilder ergab, habe ich richtigerweise weiterlaufen lassen. Im Großen und Ganzen waren alle recht zufrieden.

 

Du zählst ja in der Schiedsrichterzunft zu den großen Talenten. Du hast mit 20 Jahren in der dritthöchsten Liga Spiele geleitet. Hat dir dein Talent und deine jahrelange Erfahrung bei der Bewältigung dieser Aufgabe geholfen oder ist das nochmal etwas anderes?

Wie überall im Leben ist jahrelange Erfahrung in so einem Fall natürlich Gold wert. Allerdings ist das natürlich dann wieder eine neue Situation, die ich in dieser Form auch erst zum ersten Mal erlebt habe. Es gibt bei uns Schiedsrichter so einen Spruch, der lautet: „Erwarte das Unerwartete“. Der passt wie die Faust auf´s Auge zu dieser Situation. Man muss auf alles vorbereitet sein!

 

Wie geht es jetzt mit einer möglichen internationalen Karriere weiter?

            (lacht…) Ich bin vom ÖFB nominiert worden Mitte März beim UEFA-CORE Programm teilzunehmen. Das ist ein Programm zur Schulung und Weiterbildung möglicher nächster internationaler Schiedsrichter und ist eine große Chance für mich und mein Team (Anm. Red. Assistenten Michael Nemetz/NÖ u. Markus Waldl/OÖ). Dabei werden die nominierten acht Referee-Teams aus Europa speziell im regeltechnischen und kommunikativen Bereich geschult. Ich freue mich schon sehr darauf!

 

Abschließend noch: Ist es wahr, dass sich Marc Batta, ein Mitglied der UEFA Schiedsrichterkommission persönlich bei dir für deine Leistung bedankt hat?

            Ja – das hat mich sehr gefreut! Er hat mir am nächsten Tag eine E-Mail geschrieben, wo er sich eben für meinen Einsatz bedankt hat. Eine solche Anerkennung von oberster Stelle des europäischen Fußballs ist schon eine große Ehre und bestätigt auch den Weg, den man selbst eingeschlagen hat!

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